Frauenheilkunde

Der weibliche Zyklus, PMS, Regelschmerzen und die Wechseljahre sind Lebensphasen, in denen Phytotherapeutika wirkungsvoll und sanft eingreifen können. Phytohormone und hormonmodulierende Pflanzen bieten naturidentische Alternativen mit gutem Sicherheitsprofil.

Typische Beschwerdebilder

  • Prämenstruelles Syndrom (PMS): Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühl, Reizbarkeit
  • Dysmenorrhoe (schmerzhafte Regelblutung)
  • Zyklusunregelmäßigkeiten (zu lang, zu kurz, unregelmäßig)
  • Wechseljahresbeschwerden: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen
  • Östrogenmangel-Symptome (Schleimhauttrockenheit, Stimmungsschwankungen)
  • Milchfluss-Unterstützung in der Stillzeit
  • Zyklusbedingte Mastodynie (Spannungsschmerz in der Brust)

Bewährte Heilkräuter (7)

  • Mönchspfeffer

    Vitex agnus-castus

    Wirkstoffe: Iridoide, Flavonoide, Diterpene

    Wirkprinzip: Dopaminerg, prolaktinsenkend, LH-stimulierend; reguliert Corpus-luteum-Phase

  • Traubensilberkerze

    Actaea racemosa (Cimicifuga)

    Wirkstoffe: Triterpenglykoside, Flavonoide, Hydroxyzimtsäuren

    Wirkprinzip: Serotoninerg, dopaminerg; lindert Hitzewallungen und Stimmungssymptome

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  • Frauenmantel

    Alchemilla vulgaris

    Wirkstoffe: Tannine, Flavonoide, Ellagitannine

    Wirkprinzip: Adstringierend, blutungsregulierend, leicht gestagenähnlich

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  • Schafgarbe

    Achillea millefolium

    Wirkstoffe: Azulen, Flavonoide, Bitterstoffe

    Wirkprinzip: Antispasmodisch, hämostyptisch, regulierend bei Zyklusstörungen

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  • Rotklee

    Trifolium pratense

    Wirkstoffe: Isoflavone (Formononetin, Biochanin A, Daidzein, Genistein)

    Wirkprinzip: Phytöstrogen, östrogenmodulierende Wirkung in Wechseljahren

  • Hopfen

    Humulus lupulus

    Wirkstoffe: 8-Prenylnaringenin, 2-Methyl-3-buten-2-ol

    Wirkprinzip: Phytöstrogen (stärkstes pflanzliches), sedierend, wechseljahrslindernd

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  • Himbeerblatt

    Rubus idaeus folium

    Wirkstoffe: Tannine, Flavonoide, Frambinon

    Wirkprinzip: Uterustoning, wehen-modulierend (Geburtsvorbereitung), menstruationsregulierend

Zubereitungsformen

  • [[04_Pflanzliche_Fertigpraeparate]] – Mönchspfeffer und Traubensilberkerze in standardisierten Extrakten (Dosierung entscheidend)
  • [[04_Tee_Aufguss]] – Frauenmantel, Schafgarbe, Himbeerblatt als Zyklustee
  • [[04_Tinktur]] – Mönchspfeffer-Tinktur als Tropfen (20–40 Tropfen morgens, nüchtern)
  • [[04_Pflanzliche_Fertigpraeparate]] – Rotklee-Isoflavone als Kapseln (mind. 40 mg Isoflavone/Tag)
  • [[04_Aromatherapie]] – Lavendel, Rosenöl, Geranienöl bei PMS und Wechseljahresstimmung

Bewährte Teemischungen

Mischung 1 – PMS-Tee (2. Zyklushälfte, Luthealphase)

  • Frauenmantelkraut: 35 g
  • Schafgarbenkraut: 25 g
  • Melissenblätter: 25 g
  • Hopfenzapfen: 15 g

Zubereitung: 2 TL (ca. 2,5 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 10–15 Minuten abgedeckt ziehen lassen. 2–3 Tassen täglich ab Eisprung bis Regelblutung. Mindestens 3 Zyklen anwenden, um Wirkung zu beurteilen. Mönchspfeffer-Tinktur zusätzlich morgens.

Mischung 2 – Regelschmerz-Tee (antispasmodisch)

  • Schafgarbenkraut: 30 g
  • Frauenmantelkraut: 30 g
  • Kamillenblüten: 25 g
  • Ingwerwurzel: 15 g

Zubereitung: 2 TL (ca. 3 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 15 Minuten ziehen lassen. Bei Regelschmerzen täglich 3–4 Tassen warm trinken. Wärmflasche auf den Unterbauch zusätzlich. Ab 2 Tage vor der Regel präventiv beginnen.

Mischung 3 – Wechseljahres-Tee (Hitzewallungen, Schlafstörungen)

  • Traubensilberkerzen-Wurzel: 25 g
  • Rotklee: 30 g
  • Hopfenzapfen: 25 g
  • Melissenblätter: 20 g

Zubereitung: 2 TL (ca. 3 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 15–20 Minuten abgedeckt ziehen lassen. 3 Tassen täglich, verteilt über den Tag. Langzeitanwendung: 12 Wochen, dann Wirkungsevaluation. Traubensilberkerze-Fertigpräparat (40 mg Extrakt) parallel möglich.


Ernährungs- & Lebensstiltipps

  • Phytoöstrogenreiche Ernährung: Leinsamen (täglich 2 EL geschrotet), Soja, Hülsenfrüchte in Wechseljahren
  • Magnesium (400 mg täglich) reduziert nachweislich PMS-Symptome, insbesondere Stimmungsschwankungen
  • Vitamin B6 (50 mg täglich) wirkt synergistisch mit Magnesium bei PMS
  • Bewegung reguliert Hormonspiegel: 3–4 x wöchentlich Ausdauersport beeinflusst Östrogen/Progesteron-Balance
  • Stress senken: Kortisol konkurriert mit Progesteron um dieselben Rezeptoren (Östrogendominanz-Risiko)

Grenzen der Selbstbehandlung

  • Plötzliche Regelausbleiben oder starke Regelblutungen ohne bekannte Ursache → Gynäkologe
  • Hormonell sensitive Tumore (Mamma-, Uterus-, Ovarialkarzinom) → vor Anwendung Arzt fragen
  • Traubensilberkerze: keine östrogenartige Wirkung, aber bei östrogenabhängigen Erkrankungen trotzdem Rücksprache
  • Mönchspfeffer: beeinflusst Prolaktinspiegel – nicht bei Hypophysentumoren oder Dopaminagonisten-Therapie
  • Himbeerblatt in Schwangerschaft erst ab 37. SSW (wehenfördernd)
  • Isoflavone aus Rotklee: bei Schilddrüsenerkrankungen zurückhaltend einsetzen

Häufige Fragen

Welche Heilkräuter helfen bei Frauenheilkunde?
Bei Frauenheilkunde werden in der Phytotherapie verschiedene Heilkräuter eingesetzt, darunter Mönchspfeffer, Traubensilberkerze, Frauenmantel. Die Auswahl richtet sich nach dem spezifischen Beschwerdebild, den enthaltenen Wirkstoffen und dem individuellen Anwendungskontext.
Wann sollte ich bei Frauenheilkunde einen Arzt aufsuchen?
Heilkräuter eignen sich gut zur Unterstützung bei leichten bis mittelschweren Beschwerden im Bereich Frauenheilkunde. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen, Fieber über 39 °C, Blut oder Eiter, deutlicher Verschlechterung oder Unsicherheit über die Diagnose sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen. Pflanzliche Mittel ersetzen keine medizinische Diagnose.