Verdauung

Magen, Darm, Leber und Galle – die Verdauungsorgane reagieren sensibel auf Stress, Ernährung und Lebensstil. Phytotherapeutika wirken krampflösend, blähungswidrig, gallenfluss-fördernd und schleimhautschützend.

Typische Beschwerdebilder

  • Völlegefühl und Blähungen nach dem Essen
  • Krämpfe im Magen-Darm-Trakt (Koliken)
  • Sodbrennen und Magensäureprobleme
  • Reizdarmsyndrom (RDS) – abwechselnd Durchfall und Verstopfung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitverlust, träge Verdauung
  • Leber-Galle-Beschwerden, Gallenblasendyskinesie
  • Blähbauch und Meteorismus

Bewährte Heilkräuter (12)

  • Kamille

    Matricaria chamomilla

    Wirkstoffe: Chamazulen, Apigenin, Bisabolol

    Wirkprinzip: Krampflösend, entzündungshemmend, schleimhautschützend

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  • Pfefferminze

    Mentha piperita

    Wirkstoffe: Menthol, Menthon, Menthylacetat

    Wirkprinzip: Spasmolytisch, karminativ, choleretisch

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  • Fenchel

    Foeniculum vulgare

    Wirkstoffe: Anethol, Fenchon, ätherische Öle

    Wirkprinzip: Karminativ, spasmolytisch, sekretolytisch

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  • Kümmel

    Carum carvi

    Wirkstoffe: Carvon, Limonen, ätherische Öle

    Wirkprinzip: Blähungswidrig, krampflösend, appetitanregend

  • Artischocke

    Cynara scolymus

    Wirkstoffe: Cynarin, Caffeoylchinasäuren, Luteolin

    Wirkprinzip: Choleretisch, leberschützend, lipidsenkend

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  • Löwenzahn

    Taraxacum officinale

    Wirkstoffe: Bitterstoffe (Taraxacin), Inulin

    Wirkprinzip: Choleretisch, diuretisch, appetitanregend

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  • Wermut

    Artemisia absinthium

    Wirkstoffe: Absinthin, Artabsin, Thujon

    Wirkprinzip: Stark bittertonisch, magentonisch, gallenfördernd

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  • Enzian

    Gentiana lutea

    Wirkstoffe: Gentiopicrosid, Amarogentin

    Wirkprinzip: Bittertonikum, Magensekretionsförderung

  • Schafgarbe

    Achillea millefolium

    Wirkstoffe: Ascaridol, Azulen, Flavonoide

    Wirkprinzip: Krampflösend, choleretisch, adstringierend

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  • Mariendistel

    Silybum marianum

    Wirkstoffe: Silymarin (Silibinin)

    Wirkprinzip: Hepatoprotektiv, antioxidativ, regenerativ

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  • Süßholz

    Glycyrrhiza glabra

    Wirkstoffe: Glycyrrhizin, Flavonoide, Saponine

    Wirkprinzip: Schleimhautprotektiv, entzündungshemmend, antispasmodisch

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  • Ingwer

    Zingiber officinale

    Wirkstoffe: Gingerole, Shogaole, Zingiberen

    Wirkprinzip: Antiemetisch, prokinetisch, antiphlogistisch

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Zubereitungsformen

  • [[04_Tee_Aufguss]] – für karminative Kräuter (Fenchel, Kümmel, Kamille, Pfefferminze)
  • [[04_Tinktur]] – für Bitterstoffpräparate (Wermut, Enzian, Artischocke) vor den Mahlzeiten
  • [[04_Pflanzliche_Fertigpraeparate]] – Magentropfen, Bitterstofftropfen als Standardzubereitung
  • [[04_Tee_Aufguss]] – Kamillenblüten als Langzeitanwendung bei Reizdarmsyndrom
  • [[04_Oelmazeration]] – Kümmel- und Fenchelöl für äußere Bauchmasagen
  • [[04_Frischpflanzensaft]] – Löwenzahn- und Artischockensaft als Bitterstoffkur

Bewährte Teemischungen

Mischung 1 – Blähungs- und Krampftee (Klassiker)

  • Fenchelfrüchte: 30 g
  • Kümmelfrüchte: 30 g
  • Kamillenblüten: 20 g
  • Pfefferminzblätter: 20 g

Zubereitung: 1 gehäuften TL (ca. 2 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen. 3 x täglich eine Tasse warm trinken, idealerweise nach den Mahlzeiten. Fenchel- und Kümmelfrüchte vorher leicht anquetschen.

Mischung 2 – Leber-Galle-Tee (Bitterstoff-Formel)

  • Artischockenblätter: 30 g
  • Löwenzahnwurzel mit Kraut: 25 g
  • Schafgarbenkraut: 25 g
  • Pfefferminzblätter: 20 g

Zubereitung: 2 TL (ca. 3 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 15 Minuten ziehen lassen. 2–3 x täglich eine Tasse 30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken. 4–6 Wochen als Kur anwenden.

Mischung 3 – Magen-Beruhigungs-Tee (bei Sodbrennen und Übelkeit)

  • Kamillenblüten: 40 g
  • Süßholzwurzel: 20 g
  • Melissenblätter: 20 g
  • Ingwerwurzel: 20 g

Zubereitung: 1,5 TL (ca. 2,5 g) auf 250 ml heißes Wasser (nicht kochend, 90°C), 10 Minuten ziehen lassen. 3 x täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Sodbrennen den Tee lauwarm trinken.


Ernährungs- & Lebensstiltipps

  • Mahlzeiten in Ruhe und langsam zu sich nehmen – gut kauen fördert die Verdauungsenzyme
  • Fenchel-, Kümmel- und Anissamen nach dem Essen kauen (natürliche Blähungshilfe)
  • Bitterstoffe vor den Mahlzeiten (Chicorée, Rucola, Artischocke) regen die Magensäureproduktion an
  • Warme Getränke und Wärmflasche bei Krämpfen – Kälte verschlimmert Spasmen
  • Probiotikareiche Ernährung (Joghurt, Kefir, Sauerkraut) unterstützt die Darmflora

Grenzen der Selbstbehandlung

  • Blut im Stuhl oder Erbrechen von Blut → sofort zum Arzt
  • Anhaltende Beschwerden über 2 Wochen ohne Besserung
  • Starke einseitige Schmerzen (mögliche Appendizitis oder Gallenkolik)
  • Ungeklärter Gewichtsverlust in Kombination mit Verdauungsproblemen
  • Ikterus (Gelbfärbung von Haut und Augen) → Arztbesuch dringend
  • Wermut nicht in der Schwangerschaft anwenden (Thujon-Gehalt)
  • Süßholz bei Bluthochdruck, Ödemen, Herzinsuffizienz kontraindiziert

Häufige Fragen

Welche Heilkräuter helfen bei Verdauung?
Bei Verdauung werden in der Phytotherapie verschiedene Heilkräuter eingesetzt, darunter Kamille, Pfefferminze, Fenchel. Die Auswahl richtet sich nach dem spezifischen Beschwerdebild, den enthaltenen Wirkstoffen und dem individuellen Anwendungskontext.
Wann sollte ich bei Verdauung einen Arzt aufsuchen?
Heilkräuter eignen sich gut zur Unterstützung bei leichten bis mittelschweren Beschwerden im Bereich Verdauung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen, Fieber über 39 °C, Blut oder Eiter, deutlicher Verschlechterung oder Unsicherheit über die Diagnose sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen. Pflanzliche Mittel ersetzen keine medizinische Diagnose.