Ölauszug

Innerlich & Äußerlich

Mazerationsöle entstehen durch das Ausziehen von Pflanzeninhaltsstoffen in einem Trägeröl. Sie bilden die Basis für Salben, Balsame und Massageöle und können direkt auf die Haut aufgetragen werden.

Anleitung und Details

Prinzip

Pflanzeninhaltsstoffe, die öl- oder fettlöslich sind (ätherische Öle, Flavonoide, Carotinoide, Harze, fettlösliche Vitamine), gehen bei der Mazeration in das Trägeröl über. Das Ergebnis ist ein wirkstoffangereichertes Öl, das für die äußerliche Anwendung bestens geeignet ist. Zwei Grundmethoden: kalt (schonend, 4–6 Wochen) und warm (schnell, 24–48 Stunden).

Gut extrahierbare Wirkstoffe:

  • Carotin (Ringelblume, Hagebutte)
  • Hypericin (Johanniskraut → rotes Öl)
  • Ätherische Öle (Lavendel, Rosmarin, Thymian)
  • Flavonoide (Kamille → Azulen)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Methode 1: Kaltmazeration (klassisch, 4–6 Wochen)

  1. Pflanzenmaterial vollständig trocknen (frisches Kraut enthält Wasser → Schimmelgefahr!)
  2. Kräuter grob zerkleinern und in sauberes Schraubglas geben (1/3 bis 1/2 voll)
  3. Mit Trägeröl übergießen – alle Pflanzenteile vollständig bedeckt
  4. Luftblase entfernen (Glas leicht klopfen), verschließen
  5. Beschriften (Pflanze + Datum)
  6. Warm und sonnig aufstellen (Fensterbrett, max. 40 °C, kein direktes Sonnenlicht für hitzeempfindliche Pflanzen)
  7. 4–6 Wochen ziehen lassen, täglich schwenken
  8. Durch feines Tuch abseihen, gut ausdrücken
  9. In dunkle Glasflaschen abfüllen, beschriften

Methode 2: Warmmazeration (24–72 Stunden)

  1. Getrocknete Kräuter und Trägeröl in feuerfeste Schüssel oder Topf geben
  2. Im Wasserbad auf 40–50 °C erwärmen (Wasserbadtemperatur max. 60 °C)
  3. 24–72 Stunden bei konstant niedriger Temperatur halten (Heizplatte, Backofen auf niedrigster Stufe, Joghurt-Maker)
  4. Abseihen, abfüllen

Methode 3: Sonnenmethode (traditionell, für Johanniskraut)

  1. Frische Johanniskrautblüten (die Hände färben sich rot – Zeichen für Hypericin)
  2. Blüten sanft zerdrücken und in Schraubglas geben
  3. Mit Olivenöl übergießen (für Johanniskraut: frische Blüten + Olivenöl)
  4. 6 Wochen in die Sonne stellen (täglich schütteln)
  5. Das Öl färbt sich intensiv rot – fertig!

Trägeröle und ihre Eigenschaften

ÖlEigenschaftenAm besten für
OlivenölReich, pflegend, lang haltbarTraditionelle Salben, Massageöl
SonnenblumenölLeicht, günstigBasis-Mazerationen
JojobaölFlüssiges Wachs, sehr haltbarGesichtsöle, empfindliche Haut
MandelölLeicht, hautähnlichKinderhaut, Körperpflege
KokosölFest bis 24 °C, antibakteriellBalsame, Haarpflege
ArganölAnti-Aging, reichGesicht, Narben

Verhältnis

PflanzenmaterialVerhältnis (Kraut:Öl)Hinweis
Getrocknetes Kraut/Blüten1:5 bis 1:10 (Gewicht:Volumen)Standard für Kaltmazeration
Frische Blüten (z.B. Johanniskraut)1:3 bis 1:5Wasser kann Ranzigkeit verursachen – sehr sorgfältig trocknen
Aromatische Kräuter1:5Rosmarin, Thymian, Lavendel

Haltbarkeit

  • Kaltmazeration (trocken hergestellt): 12–24 Monate
  • Mit frischen Pflanzen: 6–12 Monate (Wassergehalt erhöht Ranzigkeit)
  • Johanniskrautöl: 12 Monate (Licht abblocken – lichtempfindlich!)
  • Anzeichen für Verderb: Ranziger Geruch, Schimmel, Schleimbildung

Besonders geeignete Kräuter

Wundheilung/Entzündung:

  • Ringelblume (Calendula) – Wunden, Ekzeme, Narben (Standardöl für Salben)
  • Johanniskraut – Nervenschmerzen, Prellungen, Muskeln (rotes Öl)
  • Kamille – Entzündung, empfindliche Haut

Schmerz/Muskulatur:

  • Arnika – Prellungen, Muskelschmerzen (nur trocken ansetzen!)
  • Beinwell – Knochen, Sehnen, Muskelschmerzen
  • Lavendel – Beruhigung, Wunden, Insektenstiche

Hautpflege:

  • Hagebutte – Anti-Aging, Narben (Carotin-reich, orange-rotes Öl)
  • Rose – Trockenheit, Falten
  • Holunderblüten – Bleichend, beruhigend

Qualitätskontrolle

  • Farbe: Typisch für die Pflanze (Ringelblume: gold-orange, Johanniskraut: intensiv rot)
  • Geruch: Charakteristisch nach Pflanze + Trägeröl
  • Konsistenz: Klar bis leicht trüb, kein Schimmel
  • Test: 1 Tropfen auf weißes Papier – Farbe und Geruch prüfen

Anwendung

  • Pur als Massageöl: Direkt auf Haut auftragen, einmassieren
  • Als Salbengrundlage: 80–90 % Mazerationsöl + 10–20 % Wachs (→ 04_Salbe_und_Balsam)
  • Als Zusatz in Creme: 20–40 % des Ölphasen-Anteils (→ 04_Creme_und_Lotion)
  • Als Haarpflegeöl: Einige Tropfen in trockenes oder feuchtes Haar einarbeiten

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Vielseitig einsetzbar (pur, Salbe, Creme)Nur für öllösliche Wirkstoffe
Einfache HerstellungKaltmazeration dauert 4–6 Wochen
Gut hautverträglichRanzigkeit bei unsachgemäßer Lagerung
Basis für viele andere ZubereitungenFrischpflanzen-Ansatz riskanter
Lange haltbar (wenn trocken hergestellt)

Geeignete Heilkräuter (2)

Häufige Fragen

Wie stellt man Ölauszug aus Heilkräutern her?
Ölauszug ist eine bewährte Zubereitungsform in der Phytotherapie (Kategorie: Innerlich & Äußerlich). Die genaue Herstellung – Mengenverhältnisse, Auszugsmittel, Dauer und Aufbewahrung – ist auf dieser Seite ausführlich beschrieben. Wichtig: Qualität des Pflanzenmaterials und saubere Arbeitsmaterialien sind entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Welche Kräuter eignen sich besonders gut für Ölauszug?
Für die Herstellung von Ölauszug eignen sich unter anderem: Beinwell, Ringelblume (Echte Ringelblume). Die Wahl des Krauts richtet sich nach dem gewünschten Wirkziel. Dosierung und Anwendungsdauer immer dem jeweiligen Kräuter-Profil entnehmen.