Frischpflanzensaft

Innerlich

Frischpflanzensäfte werden aus frisch geernteten Pflanzen durch mechanisches Pressen oder Entsaften gewonnen. Sie enthalten alle wasserlöslichen Wirkstoffe in ihrer natürlichen, unveränderten Form.

Anleitung und Details

Prinzip

Beim Pressen frischer Pflanzen werden Zellwände aufgebrochen und der Zellsaft freigesetzt. Dieser enthält alle wasserlöslichen Inhaltsstoffe (Vitamine, Enzyme, Flavonoide, organische Säuren, Mineralstoffe) in ihrer nativen, bioaktiven Form. Hitze- oder alkoholbedingte Veränderungen entfallen. Der hohe Wasseranteil frischer Pflanzen (70–90 %) geht beim Trocknen verloren – Frischpflanzensäfte erhalten dieses Spektrum.


Schritt-für-Schritt-Anleitung

Methode 1: Entsafter (Schneckenpresse/Slow Juicer)

  1. Frisches Pflanzenmaterial ernten (morgens, taufrisch, sauber)
  2. Grob waschen, grobes Schmutz entfernen (nicht zu viel waschen – Wirkstoffe!)
  3. Durch Entsafter (Schneckenpresse = schonender) führen
  4. Saft sofort in Flaschen abfüllen
  5. Kühl stellen und möglichst schnell verbrauchen

Methode 2: Mörser + Seihtuch (kleine Mengen)

  1. Frische Pflanzenteile fein hacken oder im Mörser zerkleinern
  2. In ein sauberes, feuchtes Seihtuch oder Mullbinde geben
  3. Kräftig auswringen – Saft auffangen
  4. Sofort verwenden

Methode 3: Mixer + Abseihen

  1. Frisches Kraut mit wenig Wasser im Mixer pürieren
  2. Durch feines Sieb oder Nussmilchbeutel passieren
  3. Saft aufzufangen

Methode 4: Konservierung (Frischpflanzenpresssaft nach Schindele)

  1. Frische Pflanzen entsaften
  2. Saft sofort 1:1 mit 96 % Alkohol mischen (Konservierung, ca. 48 % Endgehalt)
  3. In dunkle Flaschen abfüllen
  4. Haltbarkeit: 1–2 Jahre (entspricht dann einer Art Frischpflanzentinktur)

Verhältnis

PflanzenmaterialAusbeute (ca.)Hinweis
1 kg frisches Kraut/Blätter400–600 ml SaftJe nach Wassergehalt der Pflanze
1 kg frische Wurzeln200–400 ml SaftRobustes Pressen nötig
1 kg Beeren/Früchte500–700 ml SaftLeicht zu pressen
Mörser-Methode (100 g)30–60 ml SaftFür kleine Mengen geeignet

Haltbarkeit

  • Frischer Saft (pur): 24–48 Stunden im Kühlschrank (Oxidation!)
  • Eingefroren: 3–6 Monate (Eiswürfelform praktisch für Dosierung)
  • Mit Alkohol konserviert (1:1): 1–2 Jahre
  • Pasteurisiert (70 °C, 20 Min.): 6–12 Monate (Enzymverlust)
  • Anzeichen für Verderb: Gärung, Schimmelfilm, untypischer Geruch, Trübung

Besonders geeignete Kräuter

Klassische Frischpflanzensäfte (traditionell und kommerziell):

  • Brennnessel – Frühjahrskur, Entgiftung, Eisenmangel, Harnwege
  • Löwenzahn – Leber, Galle, Frühjahrskur, Harnstoff
  • Spitzwegerich – Husten, Reizhusten, Atemwege
  • Aloe vera – Haut, Magen, Darm (äußerlich und innerlich)
  • Mistel – Bluthochdruck (nur unter ärztl. Aufsicht)
  • Weizengras – Entgiftung, Vitalstoffe, Basenkur
  • Schachtelhalm – Bindegewebe, Knochen, Harnwege
  • Artischocke – Leber, Galle, Cholesterin

Anwendungsbeispiele

Brennnessel-Frühjahrskur

  • Frische Brennnesselblätter (Handschuhe!) entsaften
  • 3x täglich 1 EL (15 ml) in Wasser, 4 Wochen lang
  • Wirkung: Stoffwechselaktivierung, Eisenaufnahme, Entschlackung

Löwenzahn-Tageskur

  • Blätter + Stängel + Blüten morgens frisch pressen
  • 1 EL pur oder in Smoothie, nüchtern
  • Wirkung: Leber-Galle-Stimulation, Bittertonikum

Aloe-vera-Saft (äußerlich)

  • Blatt abschneiden, Gel herausdrücken
  • Direkt auf Wunden, Verbrennungen, Sonnenbrand auftragen
  • Kühlt, beruhigt, fördert Wundheilung

Dosierung

  • Frischpflanzensaft (innerlich): 1–3 EL (15–45 ml) täglich, unverdünnt oder in Wasser
  • Konservierter Frischpflanzensaft: 3x täglich 30–50 Tropfen (wie Tinktur)
  • Frühjahrskur: 3–4 Wochen, morgens nüchtern
  • Nicht für: Kinder ohne Rücksprache (einige Säfte sehr konzentriert)

Ernte und Qualität

  • Erntezeitpunkt: Morgens, nach dem Tau, vor der Mittagshitze
  • Ort: Unbelastete Flächen (kein Straßenrand, kein Pestizideinsatz)
  • Pflanzenteil: Je nach Pflanze Blätter, Stängel, Wurzeln (Frühling vor Blüte = höchster Wirkstoffgehalt)
  • Verarbeitung: Sofort nach der Ernte, keine Lagerung
  • Ökologisch: Wildpflanzen nur in Mengen ernten, die der Bestand verträgt

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Native Wirkstoffe, unverändertSehr kurze Haltbarkeit
Enzyme und Vitamine erhaltenSaisonale Verfügbarkeit
Kein AlkoholTechnischer Aufwand (Presse nötig)
Hohe BioverfügbarkeitSchnelle Oxidation
Natürliches SpektrumDosierung schwieriger

Geeignete Heilkräuter (2)

Häufige Fragen

Wie stellt man Frischpflanzensaft aus Heilkräutern her?
Frischpflanzensaft ist eine bewährte Zubereitungsform in der Phytotherapie (Kategorie: Innerlich). Die genaue Herstellung – Mengenverhältnisse, Auszugsmittel, Dauer und Aufbewahrung – ist auf dieser Seite ausführlich beschrieben. Wichtig: Qualität des Pflanzenmaterials und saubere Arbeitsmaterialien sind entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Welche Kräuter eignen sich besonders gut für Frischpflanzensaft?
Für die Herstellung von Frischpflanzensaft eignen sich unter anderem: Bärlauch, Löwenzahn (Gemeiner Löwenzahn). Die Wahl des Krauts richtet sich nach dem gewünschten Wirkziel. Dosierung und Anwendungsdauer immer dem jeweiligen Kräuter-Profil entnehmen.