Tee, Aufguss und Abkochung

Innerlich

Tee ist die älteste und einfachste Form der Kräuterzubereitung. Je nach Pflanzenteil und Wirkstoff wird zwischen Aufguss (Infus), Abkochung (Dekokt) und Kaltauszug unterschieden.

Anleitung und Details

Prinzip

Wasser extrahiert wasserlösliche Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide, Mineralstoffe, Vitamine. Die Temperatur und Ziehzeit entscheiden über das Wirkstoffprofil. Drei Grundmethoden:

MethodeTemperaturPflanzenteilZiehzeit
Infus (Aufguss)95–100 °CBlüten, Blätter, Kraut5–15 Min.
Dekokt (Abkochung)KochenWurzeln, Rinden, Samen10–20 Min.
Kaltauszug (Mazeration)Kalt (Raumtemperatur)Schleimstoffpflanzen4–12 Std.

Schritt-für-Schritt: Aufguss (Infus)

  1. Wasser aufkochen, kurz abkühlen lassen (ca. 90–95 °C)
  2. Kräuter in Kanne oder Tasse geben (1–2 TL getrocknetes Kraut pro 200 ml)
  3. Heißes Wasser übergießen
  4. Kanne/Tasse abdecken (verhindert Verlust ätherischer Öle)
  5. 5–15 Minuten ziehen lassen (je nach Pflanze)
  6. Abseihen und sofort trinken

Geeignet für: Kamille, Pfefferminze, Melisse, Schafgarbe, Holunderblüten, Lindenblüten, Ringelblume


Schritt-für-Schritt: Abkochung (Dekokt)

  1. Pflanzenmaterial grob zerkleinern (Rinde schaben, Wurzeln in Stücke schneiden)
  2. Mit kaltem Wasser ansetzen (1–2 TL pro 200 ml)
  3. Zum Kochen bringen
  4. 10–20 Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen
  5. Abkühlen lassen, abseihen
  6. Warm trinken

Geeignet für: Weidenrinde, Eichenrinde, Süßholzwurzel, Löwenzahnwurzel, Ingwerwurzel, Fenchelsamen, Kümmel


Schritt-für-Schritt: Kaltauszug (Mazeration)

  1. Pflanzenmaterial in kaltes Wasser geben (Raumtemperatur, 1–2 TL pro 200 ml)
  2. Abgedeckt 4–12 Stunden stehen lassen (über Nacht möglich)
  3. Abseihen
  4. Vor dem Trinken leicht erwärmen (nicht kochen – Schleimstoffe bleiben erhalten)

Geeignet für: Eibischwurzel, Leinsamen, Quittensamen, Spitzwegerich (schleimstoffreiche Pflanzen)


Verhältnisse

ZubereitungMenge Kraut (getrocknet)WassermengeZiehzeit
Einzeltasse1–2 TL (ca. 2–4 g)200 ml5–15 Min.
Tagesdosis (3 Tassen)2–3 EL (ca. 6–12 g)600 mlje 5–15 Min.
Frisches KrautDoppelte Mengegleichgleich
Kaltauszug1–2 TL200 ml4–12 Std.

Haltbarkeit

  • Frisch zubereitet: Innerhalb von 24 Stunden trinken (bei Raumtemperatur)
  • Im Kühlschrank: Bis zu 48 Stunden
  • Getrocknete Kräutermischungen: 1–2 Jahre in luftdichten Gläsern, dunkel gelagert
  • Keine Metallgefäße für gerbstoffreiche Kräuter (Reaktion mit Eisen/Aluminium)

Besonders geeignete Kräuter

Infus:

  • Kamille – Magen, Entzündung, Wunden
  • Pfefferminze – Verdauung, Kopfschmerz
  • Melisse – Nerven, Schlaf, Magen
  • Schafgarbe – Regelschmerzen, Verdauung
  • Holunderblüten – Erkältung, Schweiß

Dekokt:

  • Weidenrinde – Schmerz, Fieber, Entzündung
  • Süßholzwurzel – Husten, Magen
  • Löwenzahnwurzel – Leber, Galle

Kaltauszug:

  • Eibisch – Husten, Halsschmerzen, Magenreizung
  • Leinsamen – Darm, Verstopfung, Magenschleimhaut

Dosierung

  • Standard: 3x täglich 1 Tasse (je 200 ml)
  • Akut (z.B. Erkältung): Bis zu 5 Tassen täglich
  • Kur: 4–6 Wochen, dann Pause einlegen
  • Kinder ab 6: Halbe Erwachsenendosis
  • Kinder unter 6: Arzt befragen, auf bestimmte Kräuter verzichten

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Einfach herzustellenKurze Haltbarkeit
Keine Hilfsmittel nötigTäglich frisch zubereiten
Schonend, gut verträglichWeniger konzentriert als Tinktur
Wärmend, hydratisierendÄtherische Öle können verdampfen
Geeignet für KinderNicht alle Wirkstoffe wasserlöslich

Geeignete Heilkräuter (17)

Häufige Fragen

Wie stellt man Tee, Aufguss und Abkochung aus Heilkräutern her?
Tee, Aufguss und Abkochung ist eine bewährte Zubereitungsform in der Phytotherapie (Kategorie: Innerlich). Die genaue Herstellung – Mengenverhältnisse, Auszugsmittel, Dauer und Aufbewahrung – ist auf dieser Seite ausführlich beschrieben. Wichtig: Qualität des Pflanzenmaterials und saubere Arbeitsmaterialien sind entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Welche Kräuter eignen sich besonders gut für Tee, Aufguss und Abkochung?
Für die Herstellung von Tee, Aufguss und Abkochung eignen sich unter anderem: Ginkgo, Kurkuma (Gelbwurzel), Lavendel (Echter Lavendel), Linde (Sommerlinde / Winterlinde), Mariendistel. Die Wahl des Krauts richtet sich nach dem gewünschten Wirkziel. Dosierung und Anwendungsdauer immer dem jeweiligen Kräuter-Profil entnehmen.