Tinktur

Innerlich

Tinkturen sind konzentrierte alkoholische Auszüge aus Pflanzenteilen. Sie extrahieren ein breites Wirkstoffspektrum und sind lange haltbar.

Anleitung und Details

Prinzip

Alkohol (Ethanol) löst sowohl wasser- als auch fettlösliche Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial. Je nach Wirkstoff wird ein unterschiedlicher Alkoholgehalt gewählt:

  • 30–40 %: Schleimstoffe, Gerbstoffe
  • 40–60 %: Flavonoide, Bitterstoffe, Alkaloide (Standard)
  • 60–90 %: Ätherische Öle, Harze, Wachse

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Pflanzenmaterial zerkleinern (frisch oder getrocknet)
  2. In ein sauberes Schraubglas füllen (1/3 bis 1/2 voll)
  3. Mit Alkohol (Wodka 40 %, Doppelkorn 38 %, oder Weingeist verdünnt) übergießen – alles muss bedeckt sein
  4. Glas verschließen und beschriften (Kraut + Datum)
  5. 2–6 Wochen an warmem, dunklem Ort ziehen lassen
  6. Täglich schütteln
  7. Durch feines Tuch oder Kaffeefilter abseihen
  8. In dunkle Tropfflaschen abfüllen, beschriften

Verhältnis

PflanzenmaterialVerhältnis (Kraut:Alkohol)Alkoholgehalt
Getrocknetes Kraut1:5 (z.B. 20 g auf 100 ml)40–60 %
Frisches Kraut1:2 bis 1:360–70 % (Wassergehalt ausgleichen)
Wurzeln/Rinde (trocken)1:550–60 %
Blüten (trocken)1:5 bis 1:1040–50 %

Haltbarkeit

  • 3–5 Jahre bei sachgemäßer Lagerung (dunkel, kühl)
  • Tropfflaschen aus Braunglas optimal
  • Verdorbene Tinkturen: trüb, untypischer Geruch → entsorgen

Besonders geeignete Kräuter

  • Baldrian – Schlaf, Unruhe
  • Johanniskraut – Stimmung, Nerven
  • Echinacea – Immunstärkung
  • Passionsblume – Angst, Schlaf
  • Weissdorn – Herz-Kreislauf
  • Mariendistel – Leber
  • Artemisia – Bittertonikum, Verdauung
  • Ingwer – Übelkeit, Durchblutung

Dosierung

  • Erwachsene: 3x täglich 20–30 Tropfen in etwas Wasser
  • Kinder ab 12: 3x 10–15 Tropfen (Rücksprache empfohlen)
  • Kinder unter 12: Alkoholfreie Alternativen bevorzugen (Tee, Sirup)
  • Kur: 4–6 Wochen, dann 2 Wochen Pause

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Breites WirkstoffspektrumEnthält Alkohol
Sehr lange haltbarNicht für Kinder/Schwangere/Alkoholkranke
Schnelle Aufnahme (sublingual möglich)Geschmack gewöhnungsbedürftig
Einfach herzustellenDosierung erfordert Sorgfalt
Kompakt, gut transportabel

Qualitätskontrolle

  • Farbe: Tiefe, kräftige Farbe typisch für das Pflanzenmaterial
  • Geruch: Charakteristisch nach Pflanze, nicht muffig oder ranzig
  • Klarheit: Leichte Trübung möglich (Schwebstoffe), nicht störend
  • Ansatz gescheitert: Schimmel sichtbar → sofort entsorgen

Geeignete Heilkräuter (36)

Häufige Fragen

Wie stellt man Tinktur aus Heilkräutern her?
Tinktur ist eine bewährte Zubereitungsform in der Phytotherapie (Kategorie: Innerlich). Die genaue Herstellung – Mengenverhältnisse, Auszugsmittel, Dauer und Aufbewahrung – ist auf dieser Seite ausführlich beschrieben. Wichtig: Qualität des Pflanzenmaterials und saubere Arbeitsmaterialien sind entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Welche Kräuter eignen sich besonders gut für Tinktur?
Für die Herstellung von Tinktur eignen sich unter anderem: Andorn (Weißer Andorn), Artischocke, Angelika (Engelwurz), Arnika, Bärlauch. Die Wahl des Krauts richtet sich nach dem gewünschten Wirkziel. Dosierung und Anwendungsdauer immer dem jeweiligen Kräuter-Profil entnehmen.